Huldigung – welch unpassendes Wort in unserer Zeit, da bestenfalls von Leistungsausweis, häufiger aber von Versagen die Rede ist, wenn es um die Obrigkeit geht. Vielleicht müssten wir anstelle des notorischen Bashings zurückfinden zur Huldigung, denn da gab‘s auch fürs gemeine Volk immerhin auch ein Fest mit Bier und Wein und Leberkäse. Johann Sebastian Bach liess sich für den Empfang von Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (und König von Polen) im Jahr 1734 eine gehörige Festmusik einfallen, die auch heutige Ohren zu begeistern vermag. Nicht umsonst verpflanzte er Teile davon in die h-Moll-Messe und ins Weihnachtsoratorium. Nicht genug bekommen konnten wir beim Durchhören vom Schlusschor, bei dem man zu bemerken versucht ist, dass hier sich Bach und Händel ganz nahegekommen sind.

Wer könnte als Reflexionsredner zu dieser weltlichen Kantate BWV 215 «Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen» mehr und Reichhaltigeres beisteuern als unser wissenschaftlicher Begleiter und Berater Dr. Anselm Hartinger, derzeit Leiter des Stadtgeschichtlichen Museums in Leipzig? Wir freuen uns sehr auf die Intervention unseres lieben Freundes Anselm (bei dieser weltlichen Kantate auch an der Werkeinführung anstelle des Theologen Dr. Niklaus Peter) und wissen schon jetzt, dass er der festlichen Komposition Bachs besondere Plastizität verschaffen wird.

Damit wir trotz Pandemie-Massnahmen nicht mehr Leute auf dem Podium haben werden als im Publikum, beschloss unsere Obrigkeit eine vorsichtige Erhöhung der maximalen Zahl Zugelassener auf nunmehr 100 Personen. Wir huldigen ihr mit höchster Ehrerbietung. Einmal mehr müssen aber die Zutritte verlost werden. Falls zwischenzeitlich weitere Öffnungsschritte vollzogen würden, benachrichtigen wir die Leerausgegangenen unverzüglich. Melden Sie sich also auf alle Fälle an unter info@bachstiftung.ch: für den möglichen Einlass (bitte bis am 17. Juni), für eine denkbare Erhöhung der Teilnehmerzahl sowie für das auf alle Fälle gewährte Live-Streaming. Hierfür haben wir neuerdings ein Anmeldeformular im entsprechenden Konzerteintrag auf unserer Webseite eingerichtet: https://www.bachstiftung.ch/konzert/bwv-215-preise-dein-gluecke-gesegnetes-sachsen/

Bleibt uns, auf die Veröffentlichung der CD Nr. 36 unserer fortlaufenden Kantatenreihe hinzuweisen. Enthalten sind BWV 176 «Es ist ein trotzig und verzagt Ding», BWV 155 «Mein Gott, wie lange, ach lange» und BWV 126 «Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort». Wie Anselm Hartinger schreibt, zeigen uns diese Werke einen Bach, der «gleichsam nackt und schnörkellos auf die Bedrohungen dieser Welt reagiert» – ob äusserliche Verfolgung, menschliche Schwäche oder angesichts des Ausbleibens der Hilfe um sich greifende Verzweiflung. Diese besonders interessante Zusammenstellung wird voraussichtlich ab Juli verfügbar sein und kann im Voraus bestellt werden.

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