Der Titel der Kantate BWV 165 «O heilges Geist- und Wasserbad» mag für heutige Ohren fremd und gewöhnungsbedürftig erscheinen. Doch die hoch präzise und eindringliche Dichtung Salomon Francks erschliesst die Idee der Kantate eigentlich recht einfach und schlicht: Es geht um die durch pfingstlichen Geist erfüllte Taufe, um das Abwaschen menschlichen Makels, um heilsame Wandlung, einen neuen Bund zwischen Gott und dem Menschen und dadurch genährte Hoffnung. Johann Sebastian Bach lässt keine Gelegenheit aus, um mit seinen musikalischen Mitteln diesen Prozess auszumalen. So wird zu Beginn in der Sopranarie mittels einer sanft fliessenden Fuge die Realität förmlich ausgewaschen, und im ausserordentlich kräftigen Bassrezitativ Nr. 4 gewinnen Zerknirschung und Vergebung apotheotische Dimensionen. Eine selten aufgeführte Kantate mit viel verborgenen Schätzen; Zeit, sie zu heben!

Die Reflexionsreferentin zu dieser literarisch hochstehenden Kantate ist Frau Helen Schüngel-Straumann. Als katholische Theologin wandte sie sich der feministischen Theologie zu und gilt heute als deren Doyenne. Im Kantatentext ist der Sündenfall omnipräsent, was manche Bezüge zu geschlechterspezifischen Betrachtungen zuliesse. Vielleicht findet unsere Referentin aber auch einen ganz anderen, persönlichen und überraschenden Zugang zum Text.

Die Aufführung findet aus bekanntem Grund weiterhin ohne Publikum statt. Solange die staatlichen Verordnungen die Anwesenheit von Publikum verunmöglichen, bieten wir eine kostenlose Live-Übertragung auf Anmeldung an. Bitte richten Sie Ihre Anmeldung an info@bachstiftung.ch. Der Link zur Übertragung, die nur bis am Sonntagabend im Netz bleibt, stellen wir Ihnen kurz vor dem Termin zu.

Pandemiebedingte Umstände und Umstellungen können manchmal auch erfreulich sein. So ergibt sich infolge Wegfall einer Ausstellung die Möglichkeit, im bislang konzertfreien Monat April ein weiteres Bach’sche Werk in unserer Messehalle zur Aufführung zu bringen, nämlich die Choralkantate «Nun danket alle Gott» BWV 192 am 23. April zur gewohnten Zeit (Werkeinführung um 17:30 Uhr, Konzert samt Reflexion um 19:00 Uhr). Orchesterkräfte, Chor, Solisten und Referent (Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln) konnten allesamt innert kürzester Zeit engagiert werden. Falls die erwähnten Verordnungen es zulassen und die Sicherheit von Künstlern, Mitarbeitenden und einem Publikum ab 50 Personen gewährleistet werden kann, öffnen wir die Aufführungen für unsere Abonnenten auf Verlosungsbasis. Vorderhand setzten wir das Live-Streaming-Angebot für alle Ausgeschlossenen fort.

Ebenfalls ermutigend sind die zahlreichen Bestellungen unserer Publikationen, allen voran der Matthäuspassion und Johannespassion auf CD, die uns in den letzten 2 Wochen erreicht haben. Vielen Dank für Ihren Zuspruch.

One Comment

  • Als begeisterte Zuhörer und folglich auch jetzt Fördereraus dem doch so fernen Stuttgart fanden wir die mühsam vorgetragene Reflexion der Theologin sehr sehr schwach, weshalb sogar unser Sohn, den wir extra zum Mitanscheuen modtiviert hatten, Zweifel an einer künftigen Teilnahme äußerte.
    Wir haben hervorvorragende, ja sogar witzige derartige Beiträge erlebt, z.B. von Herrn Horowski oder Herrn Safranski – also bitte künftig noch mehr auch auf diesen Teil der jeweiligen Veranstaltung achten.

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