Nach den zwei pandemiebedingten Absagen der Kantatenkonzerte in den Monaten März und April müssen wir heute auch das Konzert von Freitag, 15. Mai 2020, absagen. Die epidemiologischen Verhältnisse haben sich in der Zwischenzeit zwar verbessert. An eine reguläre Durchführung eines Konzerts kann aber noch nicht gedacht werden. Die Kantate BWV 183 «Sie werden euch in den Bann tun» wird, ähnlich wie die beiden vorangegangenen Kantaten, wiederum als Konzert des 1-Mann-Ensembles Rudolf Lutz am Abend des 15. Mai aus der Kirche in Stein über ein Videostreaming erklingen. Aufschaltung über unsere Website www.bachstiftung.ch/livestream, Facebook oder YouTube wie üblich ab 18.45 Uhr, Beginn des Konzerts um 19.00 Uhr, Dauer: ca. eine Stunde.

Darüber hinaus haben wir uns als Führungsteam mit der Frage auseinandergesetzt, wie wir ganz generell weiterfahren wollen mit den Aufführungen und Aufzeichnungen in diesem verhagelten Jahr. Wir könnten uns weiterhin von Hoffnungsschimmer zu Hoffnungsschimmer hangeln und versuchen, irgendwann doch noch eine Aufführung, allenfalls ohne Publikum oder aber unter handfester Ausdünnung, zu realisieren. Aufgrund der Analyse wichtiger Parameter wie der voraussichtlichen Vorschriften und Beschränkungen, der Reisemöglichkeiten unserer international zusammengesetzten Künstlerschaft, des mutmasslichen Zuspruchs unseres Publikums sowie der logistischen Gegebenheiten kamen wir zum bitteren, aber klaren Entschluss, das gesamte Jahr 2020 für die regulären Produktionen unserer Stiftung ad acta zu legen. Wir wollen kein Stückwerk und wir wollen keine halbbatzigen, gegebenenfalls publikumslosen Veranstaltungen. Wir wollen demgegenüber dann wieder mit all unserer Kraft und mit besten Kräften aus nah und fern tätig werden, wenn uns das mit vertretbarem Aufwand möglich ist. Das könnte sogar erst im Verlaufe des Jahres 2021 der Fall sein, aber wir gehen einstweilen von einer Normalisierung der Lage bis Ende 2020 aus.

Was ausgefallen ist, holen wir nicht 2021, sondern erst ab 2022 nach. So werden die «Appenzeller Bachtage» mit möglichst unverändertem Programm und hoffentlich denselben Mitwirkenden auf August 2022 verschoben. Für die entfallenen Kantaten überlegen wir uns verschiedene Möglichkeiten, so zum Beispiel «Kantatencluster» à zwei oder sogar drei Konzerte. Denkbar wäre auch eine Verdichtung des Aufführungsrhythmus von vier auf zwei oder drei Wochen. Ziel ist jedenfalls, bis im Jahr 2023 den Rückstand auf unseren Fahrplan aufgeholt zu haben.

Wir verstehen, wenn da und dort, bei Publikum und Künstlern, Enttäuschung über diesen insgesamt defensiven Entscheid aufkommen mag. Indessen glauben wir, dass Klarheit das Gebot der Stunde ist und dass die Handlungsfreiheit dank der Verschiebung um zwei Jahre auch neue Gestaltungsmöglichkeiten schafft. Die Abonnements für die erste Jahreshälfte 2020 wurden bereits auf die jeweiligen Kundenkonti gutgeschrieben. Die Platzzuteilung bleibt ohne Gegenbericht für die künftigen Veranstaltungen gültig.

Über das Jahr 2020 hinweg werden wir mit Ihnen in Verbindung bleiben mit monatlichen Live-Streams. Derzeit sammeln wir noch inhaltliche Ideen. Falls Sie sich daran beteiligen wollen, ein wenig im Sinne von «Was ich schon immer wissen wollte über – Bach», dann sind uns Ihre Vorschläge sehr willkommen.

Da uns der dennoch laufende Betrieb, die Streaming-Aufnahmen und die Vorbereitungen auf die Wiederaufnahme der Arbeit finanziell stark belasten, derweil wir sonst auf Einnahmen verzichten müssen, bitten wir unsere Gönner und Freunde dringend, uns weiterhin zur Seite zu stehen.

Und noch etwas: Wir lassen die Zeit nebst den Streaming-Angeboten auch sonst nicht ungenützt verstreichen. So arbeitet unser musikalischer Leiter fleissig als Komponist, unter anderem an einem Concerto für das Bachfest Leipzig 2021 und an einer Orgelfassung der berühmten Chaconne. Darüber hinaus verdichten sich die Vorarbeiten für ein grosses Passionsprojekt. Die verordnete Corona-Auszeit könnte uns unter Umständen zu einer beglückenden Ergänzung des musikalischen Universums verhelfen.

Schliesslich: Was ist ein Sabbatjahr mit Sicht auf ein insgesamt 22 Jahre dauerndes Projekt? Liebe Bach-Freunde, es ist hinnehmbar, und angesichts der weit über jeden Zeitrahmen hinaus gültigen Musik des Thomaskantors ist ein solches Jahr ohnehin wie ein einziger Tag. Bleiben wir treue und dankbare Mitarbeiter an dieser Baustelle der Ewigkeit!

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