Zu Beginn wähnt man sich bei der Aufführung eines siebten oder achten Brandenburgischen Konzerts – dermassen orchestral und musizierfreudig kommt BWV 72 «Alles nur nach Gottes Willen» daher – bis dann der Chor einsetzt mit einer wahren Sturzflut und grandiosen Aufwallungen der verschiedenen Stimmen. Oder anders gesagt: Einmal mehr überrascht uns Johann Sebastian Bach mit etwas völlig Anderem, Neuem, zumal BWV 72 zu den weniger bekannten Kantaten gehört. Ein Juwel, dessen überraschende Qualitäten sich in den weiteren Nummern bis hin zum Schlusschoral fortsetzen. Schön auch, wieder einmal einen Text von Salomo Franck geniessen zu können; Bach verwendete die Dichtung seines Kollegen am Weimarer Hof erst im Jahr 1726, als er schon längst in Leipzig ansässig war und viel Picander vertont hatte.

Es gibt anhand von BWV 72 somit genügend Substanz, die ein gewiefter Feuilletonist zu einer gültigen Reflexion verarbeiten kann. Roman Bucheli, den Lesern der NZZ als Autor und stellvertretender Feuilletonchef bestens bekannt, könnte auch über deutlich weniger als diesen Kantatentext gültig schreiben. Denn, so meint er, ein Feuilletonist sollte eigentlich über schlicht alles schreiben können, vorausgesetzt, er dürfe nebst Objektivem auch seine eigenen Empfindungen einbringen – mithin genau das, was wir uns bei den Reflexionen wünschen!

Wir werden mit der Februarkantate zum letzten Mal in Trogen weilen. Danach beginnen unwiderruflich die Bauarbeiten am Landsgemeindeplatz; wir hoffen inständig, dass sie bis im Spätherbst abgeschlossen sein werden, damit wir am 18. Dezember 2020 dann wieder in unsere Lieblingskirche zurückkehren können.

Rechtzeitig auf die Passionszeit wird Sie die CD Nr. 30 mit den Kantaten BWV 105 «Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht», BWV 55 «Ich armer Mensch, ich Sündenknecht» sowie BWV 68 «Also hat Gott die Welt geliebt» erreichen. Eine Abfolge ausserordentlicher Kantaten (welche sind das nicht…?) mit viel Tiefgang.

Einige weitere Hinweise:

  • Ab sofort können Sie online Tickets für die Appenzeller Bachtage anfragen: www.bachtage.ch/tickets
  • Zudem erfolgt nun auch unsere offizielle Ausschreibung der Reise nach Japan, wohin unser Chor und Orchester bekanntlich im September 2020 zu einer Tournee mit der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach eingeladen worden ist. Nebst dem Besuch der Konzerte in den Städten Fukushima, Tokio und Osaka erwartet Sie ein ansprechendes Programm, zu dem auch der frühere NZZ-Korrespondent Dr. Urs Schoettli beitragen wird. Weitere Informationen erhalten Sie bei unserem Sekretariat: sekretariat@bachstiftung.ch
  • Für die Reise nach Wien im April 2020 stehen noch einige wenige Plätze zur Verfügung. Interessentinnen und Interessenten melden sich bitte rasch bei unserer Geschäftsstelle. Sie erhalten umgehend den Informationsflyer mit dem vollständigen Programm und den Reisekonditionen.

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