Aber sie handelt eben auch von Herodes, der den Retter verschmäht und den grausamen Kindermord begeht, um seinen Thron scheinbar zu retten. Picanders Text lotet Licht und Dunkel, Bach kostet diesen Dipol aus. Wir sind glücklich, die überhaupt nicht unscheinbare Komposition getrennt von den gewichtigeren Teilen 4 und 6 aufführen zu können, und das wie immer doppelt, unterbrochen von der Reflexion.

Diese wird im Januar von Dr. Rudolf Wehrli gehalten, einem der wenigen Intellektuellen unter den schweizerischen Wirtschaftskapitänen. Er kennt den Widerstreit zwischen hehren Zielen und abgründig realer Politik aus nächster Nähe, und er weiss auch um die Schwierigkeit, dass «Licht» und «Dunkel» a priori nicht immer so eindeutig bestimmbar sind. Denn häufig fehlt es ja an Weisen aus dem Morgenland…

Grosse Umwälzungen wird es bei unserem Internetauftritt geben. Noch vor Frühjahr gehört unsere jetzige Streaming-Plattform der Geschichte an. Ihr Betrieb wurde der Stiftung zu teuer; wegen der Bezahlschranke war die Beliebtheit allzu gering, während die kostenlosen Plattformen wie Facebook und YouTube auf geradezu stupende Nachfrage stossen.

Für sämtliche von uns je geschaffenen Inhalte – also die Workshops, die eigentlichen Konzertaufnahmen, die Einführungen im Programmheft, die CD-Booklets, die Kantatentexte usw. – haben wir eine neue Plattform namens Bachipedia geschaffen. Sie wird vor­aussichtlich ab Mitte Januar öffentlich zugänglich und Portal für das komplette Filmarchiv und weiteres wertvolles Informationsmaterial sein. Das Angebot werden wir der ganzen Welt kostenlos zur Verfügung stellen – mit YouTube als Streamingserver. Die bestehenden Streaming-Abonnements werden wir individuell abwickeln. Unabhängig von Bachipedia werden wir auch in unserem YouTube-Kanal nach und nach alle Filme in voller Länge veröffentlichen. Damit kommen wir dem Stiftungsziel einen gewaltigen Schritt näher, nämlich, der nächsten Generation den Thomaskantor unkompliziert näherzubringen.

Auch die Reflexionen werden allesamt auf Bachipedia kostenlos zur Verfügung gestellt. Dafür verzichten wir ab Januar 2019 auf die Veröffentlichung der einzelnen Heftchen und damit auf den weiteren Verkauf in gedruckter wie auch in elektronischer Form.

Falls Sie je Zweifel am Sinn einer Förderung unserer Anstrengungen gehabt hätten oder irrigerweise gedacht hätten, dass eine tiefe Tasche tief genug ist, um schlichtweg alles finanzieren zu können, dann dürfte die kostenlose Freigabe unserer sämtlichen Inhalte auf YouTube definitiv die Wende verursachen. Nein, es ist schlicht so: Der Stifter der J. S. Bach-Stiftung hat sich bereit erklärt und ist in der Lage, die Trogener Produktion und Ton-/Bild-Aufzeichnung sicherzustellen. Für den grossen Rest der Multiplikation über den Erdball brauchen wir viel mehr Hände und Arme – und Taschen. Wir werden alle denkbaren Hebel des Crowdfunding in Bewegung setzen und bitten um Verständnis dafür. Es geht um riesige Anstrengungen mit zwar skalierbarem, doch im Erfolgsfall erheblichem finanziellem Aufwand. Aber wir meinen, wenn unsere Kantaten in den Slums von Rio und São Paulo ertönen (was sie tun), dann hätten wir für unsere Sache gewonnen. Helfen Sie mit, als Freund, als Gönner, als Förderer oder was auch immer. Wir danken es Ihnen und die weltweite Bach-Community (das heisst so…) dazu.

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