Kaum sind die zwei lutherischen Bach-Messen in g-Moll und G-Dur in der Kathedrale St. Gallen feierlich verklungen, gilt es bereits auf die nächste Besonderheit in unserer langjährigen Reihe monatlich aufgeführter Vokalwerke von J. S. Bach hinzuweisen. Die Kantate BWV 117 «Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut» verfügt nämlich über kein eigentliches Libretto. Vielmehr wird einfach der integrale Choraltext, eine Dichtung von Johann Jakob Schütz aus dem Jahre 1673, mit all seinen neun Strophen vertont. «Repetitio iuvat» – die Wiederholung hilft – lernten wir am 15. September von Dompfarrer Beat Grögli anlässlich seiner Reflexion zur Messe BWV 235. In der Kantate BWV 117 gibt es sie, die Wiederholung. Und wie! Neunmal muss Bach den Satz «Gebt unserm Gott die Ehre!» kompositorisch umsetzen. Da es sich dabei um die deutsche Übersetzung des «Soli Deo Gloria» handelt, mag ihm die Aufgabe trotz allem leicht gefallen sein. Der Glaubenssatz zierte bekanntlich auch als Schlusspunkt die von Bachs eigener Hand gesetzte Reinschrift der Matthäuspassion.

Neunmal «Gebt unserm Gott die Ehre!» ruft nach theologischer Interpretation. Sie wird geleistet werden von Frau Caroline Schröder Field, Pfarrerin am Basler Münster, in Princeton (USA) in systematischer Theologie promoviert, verheiratet und Mutter zweier Kinder, scharfe Kritikerin religiös begründeter Gewalt. Könnte es sein, dass letztere auf religiös verbrämter und gefährlicher Ehrbezeugung für bestimmte Menschen beruht? Die Geschichte, namentlich auch und gerade die jüngste, scheint solches zu suggerieren. Gewaltanwendung – ein Phänomen übrigens, bei dem wir auf die Repetitio gerne verzichten würden.

«Repetitio» ergibt sich gewissermassen auch in unserem Verlag. Viermal im Jahr erscheint eine neue Folge der fortlaufenden Kantatenreihe, so auch im Laufe dieses Monats. Mit der CD Bach-Kantaten N° 41 werden nun drei relativ frische Aufführungen veröffentlicht. Es handelt sich allesamt um Aufnahmen aus dem «Olmajahr» 2021 – BWV 27 «Wer weiss, wie nahe mir mein Ende», BWV 165 «O heilges Geist- und Wasserbad» sowie BWV 122 «Das neugeborne Kindelein». Bestellungen können ab sofort an unser Sekretariat gerichtet werden, die Auslieferung erfolgt Ende Oktober.

Für jede der erwähnten Kantaten gibt es im Übrigen eine «Bach Factory» (eine Kurzeinführung in englischer Sprache mit Rudolf Lutz und Xoán Castiñeira) auf unserem YouTube-Kanal, Untertitel auf Deutsch sind übrigens vorhanden. Unsere Geschäftsstelle erteilt Ihnen gerne Auskunft darüber, wie man diese einstellen kann.

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