Schwierige Zeiten, wie wir sie momentan erleben müssen, rufen nach Kompensation fürs Gemüt. Reines Vergnügen ist angesagt als antagonistisches Programm «in tempore belli». So laden wir denn ein zu zwei Abenden ins prachtvoll am See gelegene, architektonisch hervorragend gestaltete Würth-Haus in Rorschach. Wir werden dort an zwei aufeinanderfolgenden Abenden mit weltlichen Stücken aus Johann Sebastian Bachs Kantatenschatz delektiert.

Am Donnerstag, 23. Juni 2022, wird die bekannte und beliebte «Kaffeekantate» BWV 211 erklingen: eine reizvolle musikalische Komödie rund um den damaligen Modeartikel Coffee, nach Europa gebracht durch die kriegerischen Türken und in antagonistischer Weise als Genussmittel fürs Gemüt durch die damalige Zivilgesellschaft kulturell angeeignet. Wir haben das Schweizer Theaterkabarett Birkenmeier um eine zeitgenössische Antwort auf das schalkhafte Stück gebeten.

Am Freitag, 24. Juni 2022, geht’s dann deutlich dramatischer zu und her. In «Amore traditore» (BWV 203) wird lautstark und deutlich der Liebe abgeschworen, um sie ein paar Verse später gleich wieder in C-Dur zu begrüssen. In «Non sa che sia dolore» (BWV 209) wird geradezu überschwänglich von einem Freund Abschied genommen, der – immerhin – von Köthen nach Ansbach ins Frankenland ziehen muss, wofür am Ende gar das Bild eines Steuermannes auf hoher See herangezogen wird. Ansbach an der See. In strahlendem G-Dur, versteht sich.

Alle Stücke sind von exquisiter kammermusikalischer Qualität. Freunde von reichhaltigen Cembalo- und Flötenklängen kommen ganz besonders auf die Rechnung. Just zum Thema Cembalo wird auch der Reflexionist am zweiten Abend, Johannes Lang, sprechen. Johannes ist, trotz seinen jungen Jahren, ein bewährter Freund der J. S. Bach-Stiftung St. Gallen, spielten wir mit ihm doch im Jahr 2016 die «Clavierübung Teil III» von Bach ein, nachdem er Organist «in Residence» bei den Appenzeller Bachtagen war. Im Jahr 2021 wurde Johannes Lang zum Organisten zu St. Thomas in Leipzig gewählt.

Mit diesen zwei Abenden mit weltlichen Werken Bachs schliessen wir das erste Halbjahr «post coronam» ab. Wir schätzen uns glücklich, den Normalbetrieb wieder erlangt zu haben, wenngleich der Beginn holprig ausfiel. Nun laufen die Vorbereitungen fürs zweite Halbjahr und namentlich die Appenzeller Bachtage (17. – 21. August 2022) auf Hochtouren. Blättern Sie im beiliegenden Generalprogrammheft, nehmen Sie Ihre Reservationen vor und sichern Sie sich gute Plätze.

Als kleinen Vorgeschmack fürs Eröffungskonzert der Bachtage können Sie die brandneue CD mit Haydns «Missa in tempore belli» (Paukenmesse, Hob. XXII:9) bei unserem Sekretariat oder in unserem Onlineshop erwerben. Unser Chor, unser Orchester können auch Klassik! Der Tonträger wird derzeit in unserem Verlag herausgegeben, genauso wie die DVD-Serie 2021 (verfügbar im Juli), die Kantaten-CD Nr. 40 sowie ein Livemitschnitt des Konzertes «Bach im Fluss» aus dem Jahr 2011. Wir konnten der Versuchung nicht widerstehen, jenes so reizvolle Programm aus der früheren «Wort & Klang»-Reihe auferstehen zu lassen. Die drei erwähnten CDs sind ab August lieferbar.

Gemütspflege in schwierigen Zeiten: Wir wünschen Ihnen erholsame Sommertage, viel Vergnügen mit Bach oder an Bächen, vielleicht sogar am Meer, und freuen uns auf ein Wiedersehen in Rorschach am Bodensee und später auf den Appenzeller Höhen.

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