Der auferstandene Christus erscheint den lange zweifelnden Jüngern in versöhnlichem Geist und versucht sie für ein neues Denken und Leben zu gewinnen – Bach setzt dies mit entsprechend feinen, kammermusikalischen Tönen in Musik um. Dies ist ausgesprochen der Fall bei der Kantate „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“ BWV 86. Keinesfalls kann aber von Harmlosigkeit gesprochen werden, ganz im Gegenteil, wenn man etwa an das virtuose Violinspiel in der Arie Nr. 2 oder das perlende Oboenduo im Choral Nr. 3 denkt.

Unser nächster Reflexionsreferent Rudolf Wachter ist Altphilologe. Als solcher weiss er um die Bedeutung der Feinheiten im sprachlichen Ausdruck, und insofern kommt ihm die Kantate gewiss entgegen. Denn so versöhnlich die Grundstimmung der Kantate auch ist, so unterschiedlich sind die Affekte in den einzelnen Rezitativen und Arien. Als Mitglied der Schweizerischen Orthographischen Konferenz, die sich für Vernunft in der deutschen Rechtschreibung einsetzt, kennt Wachter aber nebst der Feinheit auch die Notwendigkeit der bekennenden Eindeutigkeit. Spätestens im Schlusschoral ist sie bei Bach gegeben.

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