Die Kantate BWV 109 hat es in sich. Johann Sebastian Bach stellte an Musiker und Publikum hohe Anforderungen, als er das Werk am 17. Oktober 1723 in Leipzig erstmals aufführte. Fast auf den Tag genau 287 Jahre später wiederholt sich die Szene im Appenzellischen Trogen. Nur, dass hier Nokia dazwischen funkt. Die kleine, simple Melodie des Handyherstellers bot in der Evangelischen Kirche einen krassen und absolut unerwünschten Kontrast zu den virtuosen Partituren des barocken Altmeisters.

Aber der Dirigent und musikalische Leiter des Abends, Rudolf Lutz, lässt sich im Workshop vor dem Konzert durch das kleine Intermezzo nicht aus der Fassung bringen: Er baut die Nokia-Melodie gekonnt in seinen Vortrag ein, improvisiert dazu auf dem Keyboard und stellt mit gewitzten Sprüchen die betreffenden Handybesitzer an den Pranger. Frech, aber nicht plump. Bestimmt, aber mit einem Augenzwinkern. Ich bin überzeugt, dass es Bach genau so gemacht hätte. So viel habe ich an diesem Abend über den Komponisten dazugelernt.

P.S.: Bei der Nokia-Szene habe ich genau so herzhaft gelacht wie der Mann, der alles möglicht macht: Wegelin-Bankier Konrad Hummler. Der Bach-Fan will mit seiner J.S. Bach-Stiftung in den nächsten 20 Jahren sämtliche 250 Kantaten des Meisters zur Aufführung bringen. Das lässt er sich 30 Millionen Franken kosten.

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