Dreimal wundervolle Musik zu einem leicht singbaren Choral, wenngleich der Satz «Was Gott tut, das ist wohlgetan» wohl beim Blick auf jedes Leben gewissen Widerstand hervorrufen dürfte. Trifft das wirklich zu? Bach muss um die Spannung, die aus dem Text des Chorals hervorgeht, gewusst haben; vielleicht hat er ihn auch gerade deshalb so gern verwendet. Der Choral wurde vom Textdichter Rodigast für seinen schwer erkrankten Freund Gastorius als tröstlicher Zuspruch verfasst, was aus heutiger Sicht zu erstaunen vermag —BWV 98 ist sehr kammermusikalisch komponiert und kommt gerade deshalb dem Anspruch des Trostes besonders entgegen.

Unser Reflexionsreferent Tilmann Moser versteht sich beruflich auf das Sich-Abfinden-Müssen mit unfertigen und halb zerstörten Lebensentwürfen. Er versuchte, Psychoanalyse und Kriminologie beziehungsweise forensische Psychiatrie in Einklang zu bringen. Ob die «Bekenntnisse einer halb geheilten Seele» — so sein Buch im Suhrkamp-Verlag — den Satz «Was Gott tut, das ist wohlgetan» ganz freimütig über die Lippen bringen würden? Wir dürfen dem Referat einmal mehr gespannt entgegensehen.

Die Generalprobe findet am Konzerttag um 12.00 Uhr statt.

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