In mehreren, zum Teil recht wortreichen Anläufen wird die Rechtfertigungslehre Luthers ausgebreitet. Sie besagt, dass der Mensch niemals durch sich selber, das heisst durch seine Werke, Taten und Unterlassungen, selig werden kann, sondern dass allein Gnade und Glaube in den letzten Dingen weiterhelfen. Ein beruhigender Befund, zumindest für jene, die sich ihrer Unvollkommenheit immer wieder schmerzlich bewusst sind. Bach setzt in grosser Vollkommenheit die Choralkantate so um, dass die Predigt niemals langweilig, sondern zu einem vielfältig funkelnden musikalischen Juwel wird.

Mit dem musikalischen Juwel per se haben wir es in der „Reflexion“ zu tun: mit der „Chaconne“ aus der Suite BWV 1004 für Violine solo. Für einmal wird nicht gesprochen, sondern gespielt. Die Chaconne soll die Predigt widerspiegeln und die Gedanken der Zuhörer beflügeln. Der wunderbare, schwierige Part wird von Amandine Beyer übernommen. Sie ist unser „special guest“ am ersten Pult des Orchesters und wird uns als eine der derzeit herausragendsten Geigerinnen ihre Auffassung der Chaconne nahebringen.

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