Vom «ungefärbt Gemüte» über «teutsche Treu und Güte», «Teufels Liberei» bis zur «unverletzten Seel» können wir uns an vielem ergötzen, was wir heute nicht mehr so sagen würden oder, politisch korrekt, dürften. Der Grundgedanke von BWV 24, nämlich mit Redlichkeit und Barmherzigkeit der von Natur aus miesen Veranlagung des Menschen entgegenzuwirken, kommt bei Bach recht liebenswürdig und durchaus gefällig an. Eine wenig bekannte, schöne, ja in mancherlei Hinsicht auch recht überraschende Kantate.

Unsere Reflexionsrednerin, die Literaturwissenschafterin Aleida Assmann, beschäftigte sich mit individueller und kollektiver Erinnerung und, man verdankt es ihr in einer Zeit unbeschränkter Speichermöglichkeiten herzlich, auch mit dem Vergessen. «Verleumden, Schmähn und Richten, Verdammen und Vernichten ist überall gemein», beklagt der Kantatentext. Wie wäre es mit einer Kultur wohlwollenden Vergessens, wenn die Maschine alles speichern will?

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