Missa in tempore belli, Hob. XXII:9 «Paukenmesse»

Missa in tempore belli, Hob. 22/9 «Paukenmesse»

Live Recording

Gespielt auf historischen Instrumenten

Julia Doyle, Sopran
Claude Eichenberger, Alt
Bernhard Berchtold, Tenor
Wolf Matthias Friedrich, Bass

Chor & Orchester der J.S. Bach-Stiftung unter der Leitung von Rudolf Lutz

Auf allen gängigen Download-/Streamingplattformen erhältlich.

Haydns «Missa in tempore belli» ‒ eine klassische Auftragskomposition ganz für unsere Zeit

Überhaupt war seine Andacht nicht von der düstern, immer büssenden Art, sondern heiter, ausgesöhnt, vertrauend, und in diesem Charakter ist auch seine Kirchenmusik geschrieben. (Georg August Griesinger über Joseph Haydn, 1810)

Die Alterskarriere des Joseph Haydn gehört zu den erstaunlicheren Entwicklungen der Musikgeschichte. Nach Jahrzehnten der Arbeit in kreativer Abgeschiedenheit im burgenländisch-ungarischen Grenzgebiet trat der fast 60-jährige Haydn nach seiner mit einem Regentenwechsel im Fürstenhaus Eszterhazy verbundenen Pensionierung Anfang der 1790er Jahre plötzlich ins Licht der europäischen Öffentlichkeit. Zwei Konzertreisen in das Musikzentrum London machten Haydn nicht nur auf einen Schlag berühmt, sondern nebenher auch noch reich; mit seinen späten grossbesetzten Sinfonien sowie den beiden Oratorien «Die Schöpfung» (1798) und «Die Jahreszeiten» (1801) erlangte der lange als stiller Innovator der Sonate, des Streichquartetts und anderer Instrumentalgattungen geltende Maestro internationalen Ruhm und bleibenden Einfluss auf künftige Generationen. Anders als im Falle seines Freundes Mozart, dessen liturgiebezogene Hauptbeiträge Missa in c-Moll und Requiem nur Fragmente blieben, war es ihm zudem vergönnt, ein kirchenmusikalisches Spätwerk von einzigartigem Rang vorzulegen. Zwischen 1796 und 1802 schuf Haydn sechs umfangreiche Messen, die zumindest in Teilen mit einer neuen Kompositionsverpflichtung für den Eisenstädter Hof seiner langjährigen Mäzensfamilie Eszterhazy zusammenhängen. Dass neben dem Namenstag der dortigen Prinzessin Maria Hermenegildis auch andere Kontexte für die Entstehung dieses geistlichen Schwanengesanges massgeblich waren, wird nicht allein durch die unterschiedlichen Uraufführungsorte – in unserem Fall die Wiener Piaristenkirche – nahegelegt, sondern auch durch aussermusikalische Bezüge, die sich etwa in einem erläuternden Zusatz wie «Missa in tempore belli» manifestieren, der auf Haydn selbst zurückgeht und offenbar tatsächlich auf den Einmarsch der napoleonischen Armee in die österreichischen Erblande 1796 bezogen ist. Nicht zuletzt spricht die durchgängig individuelle, souveräne, gewitzte und stellenweise regelrecht freche Art und Weise, mit der Haydn in diesen Gipfelwerken mit dem zugrunde liegenden Messtext umgeht, für eine jede Auftragskonstruktion transzendierende persönliche Aneignung, die durchaus mit dem Schaffensimpuls eines Johann Sebastian Bach verglichen werden kann.

Die am 2. Weihnachtsfeiertag 1796 erstmals öffentlich erklungene Missa in C teilt mit ihren Schwesterstücken den Zug zur sinfonisch dominierten Grossform, die diese Werke trotz ihrer liturgischen Zweckbestimmung in die Nähe einer absoluten Musik rückt. Haydn, dieser «grossartige Experimentator» (Toni Haefeli), kombiniert dabei Kunstgriffe seiner sinfonischen Expertise wie etwa die sonatenartige Durchformung mit einer Aneignung süddeutsch-barocker Kompositionstopoi, die diese späten Messen zugleich in die Zukunft wirken wie in die Vergangenheit blicken lässt. Haydns lange unterschätzte Erfahrungen als Opernkomponist sind darin ebenso präsent wie eine seinem genialen Mitstreiter Mozart abgelauschte Bläserbehandlung, die feinste Abstufungen der Klangfarben und orchestralen Schwungmassen gestattet.

Haydns Missa in tempore belli – eingespielt vom Ensemble der J. S. Bach-Stiftung St. Gallen. Wie kam es zu diesem besonderen Projekt?

Rudolf Lutz: Bereits im Jahr 2012 haben wir Haydns Missa in tempore belli und Beethovens 9. Sinfonie in einer Konzertreihe gemeinsam aufgeführt. Ich empfand das schon damals als ein echtes musikalisches Gipfeltreffen, das wir nun im Zuge der Appenzeller Bachtage 2022 wiederholen werden – diesmal allerdings mit Beethovens «Eroica», die zum Napoleon-Bezug der Haydn-Messe sogar noch besser passt. In diesen Werken wird das Thema des Friedens und der kriegerischen Bedrohung in einer Weise präsent, die wir heute wieder als allzu aktuell begreifen.

Missa in tempore belli, Hob. 22/9 «Paukenmesse»

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7640151160500

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