«Landsgemeindekantate» am 27. April in Trogen


Nicht Bach, sondern Lutz und doch ein wenig Bach: So könnte die Kürzestfassung dieser Mitteilung zum kommenden Kantatenkonzert lauten.

Die Musik stammt zwar eindeutig von Lutz, sie nimmt aber Bezug auf Bach und die barocke Kompositionsweise. Die Form der Choralkantate kennen wir aus vielen der bisher aufgeführten Vokalwerke des Thomaskantors. Wie man es schafft, ein grundsätzlich romantisches Lied hundert Jahre zurückzuversetzen – und das in heutiger Zeit! –, das müsste man den Komponisten Lutz wohl selber fragen. Oder besser noch: Man kommt am besten selber hören. Die Frage, ob solcherlei erlaubt, opportun, sinnvoll sei, beantworten wir lieber gleich jetzt: Wir sind so frei! Wir befürworten und unterstützen alles, was uns unserem Ziel näherbringt, Bachs Schaffen noch besser zu verstehen und dies weiterzuvermitteln.

Das Libretto der «Landsgemeindekantate» stammt von Pfarrer Karl Graf und beruht auf dem neunstrophigen Gedicht «Ode an Gott» der deutschen Lyrikerin Karoline Christiane Louise Rudolphi (1753-1811). Die Uraufführung von Ende April ist zugleich auch eine Reverenz an Karl Grafs Mitwirken an unserem grossen Kantatenprojekt. Unser Workshop-Theologe tritt nun ins Glied zurück, nach über zehn Jahren präziser, kundiger und zuweilen witzig-träfer Begleitung unseres musikalischen Leiters in den Einführungen zu den Bachkantaten. Ein wahrlich festlicher Abschluss seiner Tätigkeit!

Mit einem Augenzwinkern war die Einladung an den Appenzell-Innerrhoder Landammann Roland Inauen verbunden, die Reflexion zur Lutz‘schen Kantate zu halten. Wer um die Befindlichkeiten nicht zuletzt konfessioneller Art der beiden Halbkantone weiss, kann das Wagnis unserer Stiftung vielleicht ermessen. Aber auch hier gilt: Wir sind so frei! Denn wir sind überzeugt, dass der Herr über die noch real existierende Landsgemeinde sehr wohl sehr viel zum Kantatentext zu sagen hat. Apropos Konfessionen: Wer den Rudolphi-Text genau liest, dem fällt das Fehlen christologischer Bezüge auf. Die «Ode an Gott» wäre mit anderen Worten durchaus als überkonfessionelle Hymne geeignet, also nicht nur für reformierte Appenzeller, sondern auch für Juden und Muslime und sogar innerrhodische Katholiken…

Wenn Sie musikalische Erinnerungen auf eine andere Art auferwecken wollen, gibt es dafür die vor wenigen Wochen erschienene CD N° 22 mit den wunderbaren, ungemein tröstenden Bachkantaten BWV 56 «Ich will den Kreuzstab gerne tragen», BWV 95 «Christus, der ist mein Leben» sowie BWV 161 «Komm, du süße Todesstunde». Auch diese CD eignet sich vorzüglich für die Weitergabe; mit jedem Kauf unterstützen Sie auch ein Stück weit unsere Tätigkeit. Vielen Dank.

Wie schon angekündigt, wird die Mai-Reflexion von Hans Magnus Enzensberger statt Christoph Drescher gehalten. Wir freuen uns sehr darüber, dass Herr Enzensberger sich bereit erklärt hat, am Lendemain zum Kantatenkonzert zusammen mit Rudolf Lutz und Stefan Stirnemann eine literarische Matinée abzuhalten. Anmeldungen können ab sofort an unser Sekretariat gerichtet werden. Gönnerinnen und Gönner haben den Vorrang; die Platzzahl ist beschränkt.

 

Zurück